Dienstag, 10. Februar 2009

Start 2009: Loussier, Pepper, Smulyan

Das Jahr 2009 startete musikalisch v.a. geprägt durch (Weihnachts-)Geschenke. Zunächst und besonders durch die Decca-Zusammenstellung "Play Bach" mit dem Jacques Loussier Trio. Die enthält zwar leider nicht so richtig alle fünf "Play Bach"-Alben, aber ist immer noch eine Zusammenstellung exzeptioneller Musik. Mir ist zwar zum Teil nachvollziehbar, dass diese Adaptionen als eine Verflachung der Bach'schen Musik gesehen wurden. Doch nur an der Oberfläche. In der Tiefe ist aber die improvisierte Struktur von Anfang an in der musikalischen Tradition, in der Bach stand, enthalten. In meinen Ohren und meinem Gefühl stellt Loussier damit nur die konsequente und zeitgemäße Fortführung des Werkes dar (Decca, 0005900).
Manche Adaptionen abseits des Bach-Pfades bleiben mir wohl noch etwas verschlossen. Zum Beispiel Loussiers Bolero. Die Gymnopédies und Gnossiennes sind auch großartig, die Vier Jahreszeiten ein Ohrenschmaus.

Ich habe früher nie Musik anderer Bariton-Saxophonisten gehört. Warum auch immer. Ich mag Gerry Mulligans Sound nicht und habe in früheren Zeiten bereits in Kleinstädten gelebt, in denen es nicht so einfach war, an Musik abseits der tief ausgetretenen Pfade zu kommen. Eine Platte von Hamiett Bluiett befand sich noch in meinem Repertoire. Und eine mit ziemlich easy-listening angehauchter Fahrstuhlmusik von Ronnie Cuber. Und alles zusammen vermutlich nur faule Ausreden, warum ich nicht schon früh vernünftig an meinem Stil gearbeitet habe, sondern Michael Brecker tagtäglich rauf und runter hörte.
Beim Herumlesen im "Jazzbuch" konnte ich das Kapitel über Baritonsaxophonisten dann allerdings kaum mehr ignorieren und nahm dort zwei Pfade auf, auf die mich mein alter Saxophonlehrer gebracht hatte (neun Jahre zuvor). Dank der Möglichkeiten des Internets, ist man heute ja endlich nicht mehr auf die Kleinstadt beschränkt, die vor der Tür liegt...

Der eine Pfad ist Pepper Adams. Pepper sagte über Harry Carney: "See, no baritone player should be afraid of the noise it makes. Carney isn't. He gets right down into it, inside it." Ein Satz, den sich Pepper, wegen seines scharfen Sounds auch als "the knife" bekannt, sicher selber zu Herzen nahm. "The complete Regent sessions" trudelte als Geschenk in meine Sammlung und haute mich um. Die unglaubliche Geschwindigkeit und Leichtigkeit, mit der Adams durch die Chorusse seiner Lieder rauscht. Dabei ständig so klingend, als würde er sich doch an jeder Stelle bequem niederlassen können -- um ganz nebenbei einen Stapel Holz zu hacken. Oder zu sägen. Hard in seinem sehr Bebop orientierten Stil (die Aufnahmen sind von 1957) -- ein whrer Hörgenuss (FSR-CD491).

Gary Smulyans "Homage" war damit nur eine konsequente Fortsetzung. Meine Freundin wollte mich mit einer neuen CD überraschen und tat geheimnisvoll. Sie legte die CD ein -- doch kaum waren die ersten paar Töne gespielt konnte ich ihr sagen, wer das war. Ein fast übertriebener Pepper Ton vor einem modernen Jazz Hintergrund waren für mich sofort klar einordnbar. Sicher legitim erscheint der Versuch von Smulyan Adams mit einer Homage zu huldigen: acht ausgewählte Kompositionen, die verschiedene Seiten aller Beteiligten zeigen. Und v.a. gute Seiten: von dem Komponisten Adams und dem Baritonsaxophonisten Adams in der deutlich ihm verpflichteten Spielweise; dem Baritonsaxophonisten und Leader Smulyan, der flexibel zwisch Post-, Hard-Bop und deutlich modernen Klängen changiert, ohne das Motiv Adams zu verlieren; und der ausgezeichneten Rhythmusgruppe, der eine passende und sehr tighte Rahmung gelingt (Tommy Flanagan, pn; Ray Dreummoind, b; Kenny Washington, dr). Wer nicht viel Zeit hat, höre mal "Ephemera" (Criss 1068).