Samstag, 13. Dezember 2008

Linie 106

Und da war es wieder. Ich kam zurück und Berlin war da. Vielleicht ein wenig älter als beim letzten Mal, aber wie ein guter alter Stammkunde in der Eckkneipe saß es in der Tiefebene. Die Bäume in den Feldern vor Spandau noch immer voller Misteln. Am Hauptbahnhof immer noch der Trubel. Am Kiosk an der U-Bahnstation, meinem Ziel in Schöneberg, immer noch dieselben Gestalten mit ihren Bieren und Hunden. Ich wußte, was ich an Berlin mochte. Es war einfach da. Und nahm mich gerne auf. Und darauf war Verlaß.

Gestern Abend: der Akazienkiez und eine Feier in einer der Eckkneipen. Freunde von Berliner Freunden -- Vodka trinkende und kräftig rauchende Russen. Dazwischen Tanzen. Dabei Tanzen. Und eine Künstlerin aus Michigan, die ihre Europaträume verwirklicht (Kellie Pickard). Zurück durch das stille Schöneberg, an dem ich nicht mehr wohnte, ein Teil von mir aber sicher geblieben war.

Heute, Linie 106 Kleistpark -- Beusselstraße. Mitten durch Berlin. Mitfahrer, die eine überlaute Handytelefoniererin zurechtweisen. Erstaunlich freundlicher Busfahrer. Und eine Frau, die sich entschuldigte, als sie mir bei Aussteigen auf den Fuß trat. Und da sage noch jemand, die Berliner seien unhöflich. Und viele freundliche Personen aus der Vergangenheit. Leben, die sich hier wieder kreuzen. Ein wenig neue, gemeinsame Gegenwart produzieren.

Die Berliner Luft. Kalt. Mischung aus weiten östlichen Ebenen und Kohleöfen.